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Expo Hannover: Themenpark Mobilität

In Halle 4 bekommen Sie Einblicke in Fahrzeugtechniken und Verkehrskonzepte der Zukunft.

Bevor im Themenpark 4 neue Lösungsansätze für die Zukunft vorgestellt werden, werden jede Menge Fragen aufgeworfen. Welche „Beweg“gründe gibt es für den Menschen zu reisen, sich immer schneller fortzubewegen, welche Probleme entstehen daraus?

Faszinierende visuelle Erlebnisse vermitteln einen erweiterten Begriff von Mobilität. Mobilität ist weit mehr als nur Verkehr, es ist ein Ausdruck menschlicher Freiheit und der Suche des Menschen nach Glück, aber auch eine Bedingung des Überlebens. Das Grundbedürfnis nach Mobilität hat eine Vielzahl von Bewegungsformen, Vehikeln und Kulturen ausgebildet.

Und wie sehen in Zukunft die Flitzer für die Innenstadt aus? Ein Vorschlag hierfür ist das Stadtmobil Slim von Bertone, das, wie der Name vermuten lässt, sehr schmal geschnitten ist. Fahrer und Beifahrer sitzen hier nicht neben-sondern hintereinander. Es werden nicht nur Autos vorgestellt, die energiesparend fahren und in Zukunft mit Wasserstoff betrieben werden, sondern es gibt auch moderne Konzepte des öffentlichen Nahverkehrs, wie den mit Wasserstoff betriebenen Bus oder die fahrgastfreundliche Straßenbahn, die sich durch einen niedrigen Einstieg auszeichnet.

Eigens für den Auftritt im Themenpark wurde eine „Allianz für Mobilität“ gegründet. Sie steht für die Vernetzung von Individualverkehr, Bus- und Bahnverkehr sowie Luftfahrt, von Gütertransport und Logistik. Die Allianz besteht aus den Dienstleistern Lufthansa, Deutsche Bahn und den Produzenten MAN und BMW. Die vier Partner vermitteln die Botschaft der Vernetzung aller Verkehrssysteme und liefern praktische und zukunftsbezogene Beispiele wie den von BMW entwickelten, schadstoffreien Wasserstoffmotor, ein MAN- Brennstoffzellenfahrzeug oder eine Verkehrsleitzentrale des Kommunalverbands Großraum Hannover.

Der Zuschauer wird direkt in den Verkehr eines Ballungsraums der Zukunft versetzt. Moderne Informations-technologien steuern vom Weltraum aus den Verkehrsfluß. Mit einem Blick aus dem Weltall auf Verkehrsknotenpunkte der Erde werden die Zusammenhänge zwischen Versorgung und Verkehrsnetzen und die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Verkehrssystemen deutlich. Beispiele sind der Fluhafen Frankfurt, der neue Lehrter Bahnhof in Berlin oder das innovative Konzept des „Trans Sea Lifters“, der andere Schiffe „huckepack“ nimmt. Der für die urbane Mobilitätskultur unerlässliche öffentliche Nahverkehr hat hier eine Schlüsselposition. Aus dem All betrachtet wird er als hochgradig vernetzte Struktur sichtbar.

Aber auch die Grenzen des Verkehrs werden aufgezeigt: Luftverschmutzung und Treibhauseffekt (s. auch Themenpark Umwelt), Land-und Ressourcenverbrauch, Verkehrsunfälle sind weltweite Probleme. Täglich kommt die Bevölkerung einer Kleinstadt von ca. 15000 Menschen ums Leben. Weltweit werden pro Stunde

160 000 t Öl durch Verkehr verbraucht. Verkehr verursacht in den Industrieländern einen der größten Schadstoffdurchsätze. Pro Stunde werden weltweit 5700 Autos produziert, dabei wächst die Bevölkerung pro Stunde um etwa 10 000 Menschen. In Deutschland werden täglich pro Einwohner 140 kg an Gütern über eine durchschnittliche Entfernung von 100 Kilometern transportiert, in den USA etwa 300 Kilometer, in Indien jedoch nur 10 Kilometer. Wachsender Tourismus bedingt, daß pro Kopf für jede Reise so viel Kraftstoff verbraucht wird wie in drei Monaten mit einem PKW.

Die Mobilität der Zukunft kann verantwortungsbewußt nur unter dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung geschaffen werden. Im Zuge der Öffnung des europäischen Marktes verstärken sich nicht nur die Handelsvolumen mit Transportgütern, sondern auch durch die dezentralisierte Produktion unterschiedlichen Lohnniveaus wird neuer Lastverkehr verursacht. (Verdoppelung des Schwerlastverkehrs in den nächsten zehn Jahren) Zum Beispiel wird deutscher Joghurt in Griechenland aus deutscher Milch produziert und verpackt und wieder zurücktransportiert, schweizerische Wäsche in Portugal genäht, englische Kleidung in Rumänien hergestellt. Warum der Verkehr auf der Straße und nicht auf der Schiene rollen wird (umweltfreundlicher und lärmschonender), hat wirtschaftliche Gründe: Containertransporte auf der Schiene sind teuer.

Eine Veränderung der Entwicklung kann nur durch ein anderes Konsumentenverhalten und durch einen harten Innovationswettbewerb in der Industrie erzwungen werden. Dem ungebremsten Wachstum des Individualverkehrs kann nur durch langfristige Konzepte begegnet werden: der mobile Mensch steigt nur auf Busse und Bahnen bei entsprechend verbessertem Service um oder weil verstopfte Straßen und Städte zum Umstieg zwingen. Ein Auto ist in der Großstadt inzwischen so langsam wie eine Pferdekutsche vor der industriellen Revolution.

Auch Schwellenländer wie China oder Brasilien streben vermehrt nach Mobilität. Das erfordert auch bei uns eine Veränderung von etablierten Verhaltensweisen. Sonst stehen wir bald vor dem völligen ökologischen Kollaps. (Sehr anschaulich dargestellt im Themenpark Umwelt oder im japanischen Pavillon).

Maria Wöstmann

 

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Stand: 12. Juli 2002